Aktuelles


Anlässlich  der Landratswahl im September haben wir am 21.7.2020 mit Herrn Constien ein Gespräch mit folgender Thematik geführt.

 

Fragen:

  • Ist Ihnen das Berufsbild der Kindertagespflegeperson  und die Arbeitsstruktur dieser speziell im Landkreis Rostock bekannt?
  • Wo sehen Sie zukünftig diese Betreuungsform? ( Dramatischer Rückgang der Anzahl von arbeitenden Tagesmüttern, oft nicht ernst genommene Probleme durch Politik und Amt, finanzielle Nachteile im Vergleich zu anderen Betreuungsformen wie zum Beispiel Kita,...)
  • Wie ist Ihre Meinung zum Thema Vertretungsregelung, Kindertagespflege für Kinder über 3 Jahre und die gängige Praxis in der Vergabe der Fördermittel (alles in Bezug auf die Kindertagespflege speziell im Landkreis Rostock)?

 

Antworten:

  • Herr Constien kennt sowohl unseren Berufsstand als auch im Besonderen unseren Verein aus seiner aktiven Arbeit in den vorangegangenen Jahren. Er ist gut über uns informiert, hat selbst schon für den Verein  gespendet, da er unsere ehrenamtliche Arbeit sehr schätzt. Er kennt auch unsere Probleme und spricht  sich auch zukünftig für die Erhaltung der Kindertagespflege aus. Er möchte auch in Zukunft unsere Zusammenarbeit weiter ausbauen und versuchen, auch die Vertretungsregelung neu zu diskutieren. Die Betreuung von Kindern über 3 Jahre sollte im Hinblick auf anders arbeitende Landkreise definitiv noch einmal geprüft werden und auch , ob eventuell eine einheitliche Vergütung der Kindertagessspflege in ganz MV sinnvoll sein kann.

 


Außerdem haben wir Stephan Meyer als Kandidaten der Landratswahl unsere Fragen gestellt und folgende Antworten bekommen.

 

1.    Unsere Berufsgruppe, KINDERTAGESPFLEGEPERSONEN Ktpp(Tagesmütter) ist Ihnen bekannt? Wir sind noch ca 90 Ktpp im LK Rostock (von über 130).

 

Ja, die Berufsgruppe der Kindertagespflegepersonen (Tagesmütter) ist mir bekannt. Mein Sohn wurde 2008/2009 tagsüber von einer Tagesmutti betreut, damals waren wir allerdings noch in Rostock wohnhaft. Es gab keinen kurzfristig verfügbaren Krippenplatz. Wir waren sehr froh über diese Betreuungsmöglichkeit. Zudem ist meine Mutter von Beruf Erzieherin, insofern gibt es schon aus meinem familiären Umfeld eine große Schnittmenge.

 

2.    In Ihren bisherigen Interviews (SVZ oder TV Güstrow) sagten Sie, den Kita Ausbau voran zu treiben, mehr Plätze zu schaffen. Wenn weitere U3 Plätze geschaffen werden ist es ein großes Problem für uns Ktpp. Wir kosten den LK weniger und sind Qualifiziert. Wie sehen Sie diesen Nachteil und wie können Sie uns als Landrat helfen.

 

 

Es ist meine feste Überzeugung: wir brauchen mehr Kita-Plätze, vor allem dort wo diese benötigt werden. Allerdings sehe ich dies nicht als großes Problem für Sie an, schon gar nicht als Konkurrenz. Das liegt daran, dass Plätze, auch U3, einem festen Betreuungsschlüssel unterliegen und der ist wichtig für die frühkindliche Bildung. Meine Tochter ist selbst gerade erst 3 Jahre geworden, ich bin mit dieser Thematik also noch vertraut. Kita-Plätze heißt also nicht nur neue Kita-Gebäude und Räume, es heißt auch genügend qualifiziertes Personal. Beides ist derzeit nicht ausreichend vorhanden, zukünftig wird die Ressource Personal aber wichtiger denn je sein. Und genau deshalb werden Sie als qualifizierte Personen nicht verzichtbar sein. Es gibt Kitas mit genügend Platz, aber nicht ausreichend Personal.

Dass Sie den Landkreis weniger kosten ist eigentlich kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Aber ich trete dafür ein, dass wir nicht mehr der Landkreis sind mit den geringsten Entgelten für Träger der Kinderbetreuung, sondern der Landkreis mit den fairsten Entgelten werden. Denn nur so wird Kinderbetreuung ein attraktiver Beruf bleiben können und das sollten unsere Kinder uns wert sein. Genau das würde ich als Landrat verfolgen und genau das wäre in den letzten 7 Jahren eigentlich auch schon notwendig gewesen.

 

 

3.    Wir dürfen laut Satzung des LK keine Kinder ü 3 betreuen. In anderen LK geht es, Lauf KIFÖG haben Eltern ein Wunsch und Wahl Recht. Wie können Sie das als Landrat das ändern? Zumal dann auch Eltern wieder eher ein Platz vor Ort finden.

 

Dieses Problem ist schon länger bekannt. Als Landrat werde ich die Änderung der Kita-Satzung vorantreiben. Ich bin mir sicher, dass es dafür auch politische Mehrheiten in dem entsprechenden Ausschuss und ggf. auch im Kreistag geben wird. Es gibt eine Frage, die an dieser Stelle sicherlich auf der Hand liegt: Warum wurde das nicht gemacht? Die kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Allerdings scheint die bisherige Beratung der Gremien von Verwaltungsseite aus nicht gut gelaufen zu sein.

 

4.  Vertretungen in der Ktp. Laut Kifög ist das Jugendamt dafür verantwortlich. Wir hatten letztes Jahr 2 Modelle (1.selber eine pädagogischen Person suchen die einene Ktpp vertritt - nahm 1 Tagesmutter in Anspruch. 2. Eine fahrende Aushilfe - nahmen 20 Personen in Anspruch.) Jetzt hat sich das JA für die 1. Variante entschieden. Zum Nachteil von uns Ktpp. Denn wo gibt es Pädagogen die zu Hause sitzen (Fachkräftemangel) die darauf warten, das ihre Ktpp krank ist. Was können Sie als Lrat verändern?

 

Als Landrat würde ich erst einmal alle an einen Tisch holen, um das Problem genau zu verstehen. Aus meiner täglichen Arbeit weiß ich, wie kompliziert das Rechtsfeld des Jugendamtes ist Das darf aber nicht dazu führen, dass realitätsfremde Entscheidungen getroffen werden. Aber auch das passiert leider noch viel zu häufig. Damit es aber zu einer realitätsnahen Entscheidung für Kindertagespflegepersonen und vor allem Kindern kommt, würde ich mir die letzte Entscheidung auf den Tisch ziehen. Solch ein Vorgehen wurde bislang immer vermieden, weil manche Entscheidungen – für die dann auch Verantwortung zu übernehmen ist – natürlich auch einigen nicht gefällt.

 

 

5.  Thema, bearbeiten der Bedarfsanträge. Immer wieder haben wir neue Ansprechpartner und es dauert sehr sehr lang in der Bearbeitung. Wie wollen Sie es als Landrat ändern?

 

Die hohen Fluktuationsraten im Jugendamt lassen sich nur durch eine gute Personalplanung und damit einhergehend eine höhere Arbeitszufriedenheit ändern. Ich habe zuletzt im Juni 2019 eine 4-seitige Entscheidungsempfehlung vorgelegt, um genau diese Probleme aus Sicht der Personal- und Organisationsverwaltung zu beheben. Alles in der letzten Instanz abgelehnt, stattdessen wurde ein weiteres Mediationsverfahren angestrengt. Jetzt im Wahlkampf kommt das Projekt aber endlich voran. Kurzum: Die Mitarbeiter müssen selbst mehr Planungs- und Entscheidungshoheit bekommen, dann sinkt auch die Mitarbeiterfluktuation und die Zufriedenheit steigt. Das ist der zentrale Punkt, an dem wir ansetzen müssen. Der Fachkräftemangel besteht landesweit und trotzdem kriegen es andere Landkreise bei gleicher Rechtslage besser hin. Genau das umzusetzen ist mein Ziel als Landrat.

 

 

6.   Thema Fach-und Praxisberatung. Zur Zeit sind wir auf mehreren Fachberater aufgeteilt die Kita und Hort betreuen, wir als Ktpp werden sporadisch besucht, vllt 1x im Jahr. Laut Kifög sollen 100 Ktpp eine Beraterin haben. Können Sie als Lrat dies Umsätzen?

 

Die Antwort lehnt sich direkt an die der Frage 5 an. Mit der derzeitigen Personalsituation nicht. Wenn aber alle Stellen besetzt sind, dann schon. Und es sind genügend Stellen vorhanden, denn wir planen diese nach gesetzlichen Aufgaben. Eine dieser Aufgaben – die wir als Landkreis offensichtlich nicht erfüllen – ist eine Beraterin für 100 Ktpp. Und da es im Landkreis derzeit noch um die 90 Ktpp gibt wäre das fast eine komplette Stelle. Um Ihre Frage zu beantworten: Wir müssen das umsetzen!

 

 

7.    FÖRDERMITTEL Das Land stell verschiedene FÖRDERMITTEL bereit, meist um neue Plätze zu schaffen. Wir als Ktpp fallen da grundsätzlich raus. Einige von uns arbeiten über 10, 15 Jahre und können sich von dem geringen Sachkosten keine Modernisierung leisten, obwohl es nötig ist um Qualität zu bieten. Was können Sie da als Lrat unternehmen um auch diese gebundene Förderung für uns Tagesmutter zu öffnen?

 

Ich bin in Schwerin schon dafür bekannt, die unangenehmen Dinge anzusprechen. Insofern wäre dies kein Problem für mich, genau das beim Fördermittelgeber anzubringen. Es sind letztlich Mittel des Landes, das Land verfolgt damit auch das Ziel hohe pädagogische Standards durchzusetzen (z.B. § 2 KiFöG). Hier braucht es aber eine Ausnahmeregelung für Ktpp, denn sonst wäre irgendwann eine ordnungsgemäße Betreuung in renovierungsbedürftigem Umfeld nicht mehr möglich.Grund genug, mich für Sie in Schwerin stark zu machen.